Carlos Ruiz Zafón steht für mich seit jeher für spannende Literatur.
Seine Geschichten, die sich meist in Barcelona ereignen, und von mysteriösen Gestalten handeln, die von unwissenden, unbefangenen Menschen aufgespürt werden, die dann, um hinter die Identität der Gestalt zu kommen, in unverständliche Ereignisse verwickelt werden, welche sich im Laufe der Geschichte zu einem Sinn zusammenfügen, sind viel bekannt und viel geliebt. Doch es gibt ein Buch von ihm, das mich zum ersten Mal richtig gruseln und teilweise ekeln ließ. ABER es war so spannend erzählt, dass ich weiterlesen musste, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte endet.
Die Rede ist von dem Buch "Marina". Es ist eines von Carlos Ruiz Zafóns ältesten Werken, entstanden 1999, zwei Jahre vor dem Erscheinungsjahr seines Bestsellers "Der Schatten des Windes".
Auf einem ihrer Ausflüge gelangen sie auf einen Friedhof, auf dem eine Dame, ganz in schwarz gekleidet, vor einem Grab steht. Die beiden beobachten die Dame, welche einen geheimnisvollen Eindruck auf sie macht und verfolgen sie, als sie den Friedhof nach einiger Zeit wieder verlässt. Die Dame läuft zu einem Gewächshaus, geht durch eine kaum sichtbare Tür darin und verschwindet. Carlos und Marina wollen genauer wissen, was es mit dieser Dame auf sich hat. An dieser Stelle beginnt der Horror, denn in dem Gewächshaus werden sie von Wesen in menschenähnlicher Gestalt bedrängt, die plötzlich zum Leben erwachen und aus der Decke und den Wänden der Pflanzenzuchtstation treten. Sie sind Untote, beschrieben in den unblumigsten und grausigsten Worten, die ich seit Langem in einem Buch las. Sie treten plastisch vor die Augen des Lesers und lassen ihn erschrecken.
Carlos und Marina flüchten, als sie sich aus den Fängen dieser schrecklichen Wesen befreien können, doch zuvor finden sie auf einem Tisch im Gewächshaus ein Fotoalbum mit einem alten Gruppenfoto. Die beiden machen sich im Folgenden daran, herauszufinden, welche Personen sich hinter den einzeln dort Fotografierten verbergen und stoßen dabei auf Ungereimtheiten und Unheimliches.
Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser mehr über das Leben von Marina, ihren Vater German und auch über das oben kurz erwähnte Gemälde, das sich im Hause der Beiden befindet. Es ist eine sehr rührende Geschichte über Zusammenhalt und alte, nie verheilte seelische Wunden, die in einem Nebenstrang an den Leser herangetragen wird.
Auch die Dame in Schwarz taucht immer wieder auf und man erfährt, wer sie ist und was sie ausmacht.
Der Roman vermittelt eine unheimliche, geheimnisvolle, düstere und bedrückende Stimmung, die nur in wenigen Testpassagen unterbrochen wird, zum Beispiel wenn Carlos, Marina und Vater German einen Ausflug an die See machen und dort einige unbeschwerte Stunden zu dritt verbringen. Ansonsten habe ich mich befangen und teilweise auch ein bisschen in Panik versetzt gefühlt, was dazu führte, dass ich mich fragte, ob ich nachts Albträume bekommen werde, denn ich habe den Roman am Abend kurz vor dem Schlafengehen gelesen, was sich an manchen Abenden als semi-gute Idee herausstellte.
Aber he, das Buch war und ist spannend. Dies ist eines der Bücher, die es wert sind, ein zweites Mal gelesen zu werden. Ich empfehle das Buch sehr, auch, oder gerade weil es gruselig ist. ;)
Und da der Beginn des Jahres nicht unheimlicher sein könnte, habe ich gleich noch einen Pechkeks geöffnet. Glückskeks kann schließlich jeder. Er ist schwarz verpackt und selbst das Gebäck wurde mit schwarzer Lebensmittelfarbe getränkt, sodass der Eindruck entsteht, man beißt in Asche, was in Bezug auf das Buch einen mehr als fragwürdigen Eindruck hinterlässt. Aber der Keks war nicht aschig, sondern wirklich lecker, süß, keksig, was mich ein wenig beruhigte.
"Wie siehst Du denn aus?" - hat erst einmal nicht so viel mit Pech zu tun, es sei denn man setzt diesen Spruch, ebenso wie den Keks, in Bezug zu dem Buch. Dann hat er eine ganz andere, tiefere Bedeutung, die sich im Nachhinein erschließen wird, wenn man das Buch gelesen hat. Denn erst dann entfaltet der Pechkeksspruch seine ganze Wirkung. ;)
Also, der aschige Pechkeks samt Füllung und das Buch "Marina" von Carlos Ruiz Zafón sollten unbedingt verschlungen werden. Dem, der es nachmacht, wünsche ich Viel Spaß dabei.
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