In der letzten Zeit haben sich einige Fragen zum Thema "Wie schreibe
ich" angesammelt, die ich heute beantworten möchte.
Ich bin wahrscheinlich die chaotischste Schreiberin, die es gibt.
Oft wird gesagt, "macht Euch Notizen, wie der Aufbau der Geschichte sein
soll, wie sich die Kapitel gliedern, welche Charaktere Eure Figuren tragen
werden. Strukturiert!"
Für viele Menschen mag diese Methode funktionieren. Für mich leider nur in
Teilen. Bei all der vorherigen Gliederung und Beschreibung hatte ich immer ein
wenig das Gefühl, ich werde eingesperrt. Meine Kreativität und meine Ideen, die
vorher im Kopf noch bunt durcheinander wirbelten, wurden zusammengepresst in
Teilschritte, sodass mir bei der ganzen Vorbereitung und Beschreibung schon die
Lust auf die Geschichte verging. In der Tat ist das so einmal in einer
Geschichte passiert, die ich für unbedingt schreibenswert hielt und immer noch
halte, die ich eines Tages noch verwirklichen möchte. Aber als ich nun
gegliedert, beschriftet, charakterisiert hatte, habe ich die beschriebenen
Blätter, auf denen meine Vorbereitungen stattfanden, genervt zur Seite gelegt.
Die Geschichte ist bis heute drei Male in unterschiedlicher Art von mir
begonnen worden und nicht über die ersten vier Seiten hinausgekommen... Es mag
sicher auch daran liegen, dass ich mit meinen Ideen noch nicht ganz zufrieden
bin, aber diese ganze Vorarbeit nervte mich schon sehr.
Durch eine gute Vorarbeit ist gewährleistet, dass man sich beim Schreiben
nicht im Kreis dreht, immer genau weiß, wo man sich beim Schreiben befindet und
jeder Figur im Stück eine genaue Rolle zuordnen kann. Das ist sehr wichtig,
gerade bei längeren Texten oder gar einem geplanten Buch. Doch für mich heißt
das, ich lasse meine Kreativität fallen. Ich arbeite in einem Korsett, an das
ich mich nun zu halten habe, ohne davon abweichen zu können. Was passiert aber,
wenn mir das eine Kapitel nicht mehr gefällt und ich es anderes schreiben, oder
gar weglassen möchte? Dann passt nichts mehr zusammen und ich kann mit der
Strukturierung neu beginnen. Auch das ist mir schon passiert. Dabei vergeht mir
allerdings der Spaß am Schreiben und meine Kreativität zieht sich weinend in
eine dunkle Ecke zurück. Ich kann so nicht arbeiten ;).
Ich schreibe einfach darauf los. In meinem Kopf entsteht ein Bild, eine
Idee. Dieses Bild versuche ich, genau zu beschreiben. Und während ich es
beschreibe, entstehen neue Bilder in meinem Kopf und ich beschreibe auch diese,
bis schließlich die Geschichte komplett ist. So habe ich nicht das Gefühl, wie
bei der o.g. Gliederung und Strukturierung, dass die Geschichte in Zwänge gerät
und bereits vor dem Schreiben abgeschlossen ist. Für mich entsteht durch freies
Schreiben ein fortlaufender Prozess. Eines fügt sich zum anderen. Ein Bild
ergibt das nächste. Auch meine Geschichte baut sich auf. Gewinnt an Personen,
an Ereignissen, an Historie. Ich beschreibe, was ich in mir sehe.
Der Nachteil ist, dass ich mich dabei immens verzetteln kann. Drei Mal das
Gleiche schreibe, oder die Logik abhandenkommt. Aber he, ich kann alles noch
mal umschreiben, ohne das meine Strukturierung in Gefahr gerät, denn ich habe
ja keine. ;)
Natürlich ärgert es mich, wenn ich am Ende bei der Kontrolle merke, dass ich
mehrmals den gleichen Inhalt, nur mit anderen Worten ausgedrückt, schrieb. Das
kostet Zeit, da lässt man auch manchmal Nerven. Aber ich habe nicht das Gefühl,
ich würde meine Ideen einsperren. Sie dürfen sich ausbreiten, leben, fließen.
Die Frage, ob ich an real existierende Menschen während des Schreibens denke,
kann ich mit JA beantworten. Es ist generell so, dass ich oft über eigene
Gefühle, Erfahrungen und Erlebnisse in einem anderen Kontext schreibe. Ich
lasse mich durch Menschen und Einflüsse im täglichen Leben inspirieren. Da
kommt es eben auch vor, dass ich mich an real existierenden Personen
orientierte. Manchmal mehr, als einige ahnen ;). Bis jetzt kann ich aber im
Großen und Ganzen für meine Geschichten sagen, dass der überwiegende Teil
meiner Figuren meiner Fantasie entspringen.
Nun zu der Frage, wie lange ich für das Schreiben einer Geschichte benötige.
Im Schnitt kann man sagen, dass ich eine Stunde schreibe und eine weitere Korrektur
lese, vielleicht ist sogar der Anteil des Korrekturlesens ein wenig höher als
der des Schreibens. Für meine Kurzgeschichte "Das Heidelbeerkompott"
habe ich drei Stunden Zeit benötigt, inklusive der Korrekturen. Korrekturen
beinhalten nicht nur die Kontrolle, ob Rechtschreibung und Grammatik korrekt
sind, sondern auch, ob es Doppelungen der Sätze gibt, der Satzaufbau stimmt,
die Reihenfolge der Szenen korrekt ist und ob die Sätze harmonisch klingen.
Erst, wenn alles für mich stimmig ist, ist die Korrektur beendet.
Ich weiß nicht, ob das viel oder wenig ist. Darauf kommt es auch gar nicht an.
Es kommt darauf an, dass es Spaß macht, zu schreiben, und darauf, ob ich meine
Geschichte so schreiben konnte, wie ich sie mir vorgestellt habe.
Damit kommen wir zum nächsten Punkt: Kannst Du alle Vorstellungen umsetzen, die
Du im Kopf hast?
Generell kann man das natürlich. Wenn man sehr exakt arbeitet.... Ich habe aber
auch schon einmal eine Geschichte verhauen, weil sie nicht so wurde, wie ich
sie mir erträumt hatte. Irgendwann nahm sie eine ganz andere Richtung als von
mir gewollt. Blöd, aber ja, das kommt vor. Ich mag die Geschichte bis heute
nicht so wirklich, obwohl meine Idee dazu so schön aussah vor meinen inneren
Augen. Ja, ich hätte ihr eine andere Wendung geben können, ich war dann aber zu
faul, noch einmal fast alles neu zu schreiben.
Gott sei Dank habe ich in meiner Ausbildung das Schreiben mit 10 Fingern
gelernt, was es mir ermöglicht, die Worte in der Zeit niederzuschreiben, in der
ich sie denke. So spare ich ein wenig Zeit, weil ich nicht jeden Buchstaben
suchen muss, sondern "blind", also ohne auf die Tastatur zu sehen,
schreiben kann. Das hilft mir ungemein und ich empfehle das Erlernen des
10-Finger-Systems jedem, der täglich oder aber öfter lange Texte schreiben
muss.
Ich hoffe, ich konnte Euch einige Fragen zu meinem Schreiben beantworten. Wenn
Euch noch mehr einfällt, fragt mich ruhig. Ich antworte Euch, entweder sofort
unter der Frage oder aber später in einem neuen Post.
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