Samstag, 23. April 2016

Bilde die Quersumme zum Quadrat aus yz und dividiere durch Pi- Intelligente Intelligenztests?!





Bei der Recherche zu einem eigentlich anderen Thema, das sich aber an dieses heutige anschließen lässt, gelangte ich zu der Frage "Sind Intelligenztests wirklich intelligent und wofür brauche ich sie in der heutigen Zeit? Sind sie eventuell ein Relik aus einer vergangenen Zeit?"



Um diese Fragen etwas genauer beantworten zu können, setzte ich mich heute hin und führte selbst noch einmal ebendiesen Test aus. 

Mit Schaudern musste ich an die Intelligenztests der Einstellungsverfahren für die Berufsausbildung denken, die ca. 20 Jahre her sind. Aufgaben mussten in einer bestimmten Zeit gelöst werden. 
Wenn ich sie nicht beantworten konnte, kam ich mir vor wie der letzte Loser. Ich dachte nur: Jetzt hab´ ich´s vergeigt, ich bin nicht intelligent. Ich bin nichts wert. Denn nur wer intelligent ist, wird von der Gesellschaft anerkannt und hat Erfolg."

Für jede nicht beantwortete oder falsch beantwortete Aufgabe schämte ich mich in Grund und Boden. Sollte ich es nicht eigentlich doch besser können? War ich wirklich so dumm?


Doch dann kam meine Zeit: der Deutschtest. Rechtschreibung, Finden von Fehlern, Schreiben von Texten. Voll mein Ding.
Und dann noch ein wenig Sozialkunde. Das war auch noch sehr okay. Nicht spitzenmäßig, aber okay. 
Damals meinte man, ich wäre intelligent genug, eine Ausbildung zu beginnen. Soweit, so fein.

Allerdings bestehen die Großteile dieser Tests aus mathematisch-logischen Aufgaben, deren Lösen mir einfach nicht lag. Ich bin kein logisches Wesen, also gemessen an den wirklichen Brains.

Aber fragt man mich, ob der süße Kerl dort hinten an der Theke was mit der kleinen Blondine anfangen will und ob sie nicht gerade ihre Tage hat, womit der Abend für den Kerl wahrscheinlich schon gerade beim Ansprechen beendet ist, und ob ihm eventuell ein Furz quer sitzt, da seine bis jetzt verheimlichte feste Freundin ihn vorher zuhause so richtig zur Sau gemacht hat, weil er wieder den Abwasch nicht erledigt hat, solche Themen sind genau mein Ding...


Zurück zum heutigen Intelligenztest der Süddeutschen Zeitung. Lassen Sie mich das Ganze so zusammenfassen: Eine Amöbe hätte spielend mit mir konkurrieren können.

Woran lag das? Zum einen ganz einfach: als ich damals, zu Schulzeiten, diese Tests machen musste, war ich tippitoppi vorbereitet. Ich hatte gefühlte hunderte solcher blöden Tests zuhause am Schreibtisch durchgespielt. In den verschiedensten Variationen. Mathematik, Logik, Sozialkunde, Deutsch....alles Themen, die ich in der Schulzeit bis zum Erbrechen lernen musste, die also noch sehr frisch in meinem Gehirn gespeichert waren.


Zum anderen sorgte man zuhause dafür, dass ich genug Schlaf bekam, ausgewogen aß und den Test nicht mal eben zwischen zwei Arbeitsschichten lösen musste. Das sind Komponenten, die solch einen Test sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können.
Des Weiteren hatte ich nicht im Hinterkopf zehn weitere Aufgaben gespeichert, die an einem Prüfungstag noch hätten erledigt werden müssen, so wie es heute der Fall war.



Zwanzig Jahre später stelle ich mir dennoch die gleiche Frage: bin ich eigentlich dumm? Wieso weiß ich soviel nicht (mehr)? Ich weiß, dass Logik und "höhere" Mathematik nie mein Steckenpferd waren und es nie sein werden. Trotzdem ärgert es mich, diese Aufgaben in so geringem Maße zu können. Und in Sozialkunde bin ich auch nicht mehr die hellste Kerze am Baum. Das liegt daran, dass ich mich in den letzten Jahren kaum hinreichend mit politischen/gesellschaftlichen Themen auseinandersetzte und es auch nicht wollte.

Aber was habe ich in den vergangenen Jahren wirklich gut gemacht? Geschrieben. Gekocht. Meine soziale und kulturelle Kompetenz geschult. Darin bin ich eindeutig besser geworden. 

Trotzdem bestätigt mir der Intelligenztest, dass ich meinen Maßstäben (!) nicht gerecht werde. Ich bin immer noch dumm. Meine Freunde sagen etwas Anderes. Ich frage mich, woher sie diese Meinungen haben...



Zurück nun zur Ausgangsfrage: Sind Intelligenztest wirklich intelligent? Ja, in gewisser Weise schon. Für Einstellungstests sind sie nützlich. So kann ich ganz gezielte Fragen stellen, die speziell auf die Arbeit in einer Firma abzielen (btw Führerscheintests sind auch Intelligenztests ;) ) und muss nicht befürchten, dass Herr Meyer gleich am ersten Arbeitstag die Bank in den Ruin stürzt, weil er den 2,5 %igen Zinssatz von 1234.56 Euro als Banker nicht ausrechnen kann.

Aber außer, dass ich vielleicht (k)ein kleines Brain in Mathematik und Logik bin, was sagen diese Tests über mich als Mensch aus? Bin ich deswegen ein schlechterer Mensch? Sie sagen nämlich nichts darüber aus, ob ich künstlerisch begabt, hilfsbereit, fleißig, pünktlich und sozial kompetent bin. Ich könnte den besten Test der Welt hinlegen, aber wenn ich meine zukünftigen Chef im Vorstellungsgespräch mit "Na, Alter, was geht? Alles fit im Schr...?!" begrüße, glaube ich nicht, dass der zukünftige Chef wirklich zukünftig sein wird.

Es ist daher wichtig, wenn man einen solchen Test gestaltet, ihn nicht nur auf den Denkraum der Logik, Sprache und Schrift zu spezialisieren, sondern ebenso die künstlerische und personelle Intelligenz abzufragen, bzw. zu hinterfragen.
Denn nur, wer den Menschen in seiner Vielfalt des Denkens und Handelns wahrnimmt, kann mit solch einem Intelligenztest die Gestalt des Menschen in Gänze erfassen.

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