Dienstag, 18. September 2012

Holi Open Air am 16. September 2012


Hallo liebe Leser,


schon eine ganze Weile habe ich nichts mehr von mir hören lassen, aber nun gab es eine sehr witzige Veranstaltung in Rostock, von der es lohnt, zu berichten.



Am Sonntag fand auf dem ehemaligen IGA-Gelände, auf dem auch die Lichtklangnacht veranstaltet wurde, das Holi Open Air statt.

Jetzt werdet ihr eventuell fragen: Was bitte ist ein Holi Open Air? Und warum schmeißen die mit Farbpulver um sich?
Nun, dem Holi-Fest liegt ein Mythos zugrunde, der von dem Prinzen Prahlada erzählt. Er hat sich geweigert, seinen König und Vater wie einen Gott zu verehren, da er nur die Gottheit Vishnu (der Erhalter, das Gleichgewicht zwischen Brahma, dem Schöpfer und Shiva, dem Zerstörer) anbetet. Das erzürnt seinen Vater so sehr, dass er beschließt, den Sohn zu vernichten. Doch es wird ihm nicht gelingen, denn Prahlada wird von Vishnu geschützt. Also wendet der König eine List an und schickt seine Schwester Holinka zum Prinzen. Sie besitzt besondere Kräfte und  ist durch das Feuer geschützt. So wird sie vom König und Bruder beauftragt, mit Prinz Prahlada auf dem Schoß ins Feuer zu springen, um den jungen Mann, der keinen besonderen Schutz besitzt, darin zu verbrennt. Aber die Flammen meinen es gut mit dem Prinzen und versengen stattdessen Holinka und lassen sie zu Asche zerfallen.
Zur Erinnerung an die Vernichtung der Dämonin Holinka feiern die Menschen in Indien dieses farbenfrohe und fröhliche Fest, das gleichzeitig den Frühling einläutet (Bei uns wohl eher den Herbst).

Meine Freundinnen und ich machten uns am frühen Nachmittag ins IGA-Gelände bei herrlichem und warmen Sonnenschein auf. Uns traf fast der Schlag, als wir die Schlange der Wartenden vor dem Eingang zum abgeschotteten Partygelände sahen. Erst hatten wir den Eindruck es ginge recht fix voran und die Menge gelange schnell auf die "Festwiese", doch dieser Eindruck täuschte gründlich. Wir standen ein und eine halbe Stunde an, vor und hinter uns lauter in weiß gekleidete Mitfeierer, die größtenteils nüchtern und teils schon reichlich angetrunken waren. Als wir endlich am Einlass angelangt waren, erfuhren wir auch, warum wir so lange ausharren mussten. Es wurden Taschenkontrollen gemacht und man wurde abgetastet auf eventuelle Waffen, etc. Jedoch gab es für geschätzte 2.000 Besucher am Nachmittag nur eine Frau und einen Mann, die die Kontrollen, nach Geschlechtern getrennt, durchführten....Und wenn, wie in unserem Fall, sich ein Mann in die Frauenriege einreiht und im alkoholisierten Zustand rumpöbelt, dauert es noch länger...
Ich hatte kurz vor dem Ziel schon keine Lust mehr, noch weiter anzustehen und wäre am liebsten, wie einige sehr coole "Möchte-gern-Männer" es taten, an der Schlange vorbei, direkt zum Eingang gegangen, um weiteres Anstehen zu vermeiden.

Aber all die Erinnerungen an die Warterei verflogen sofort, als wir auf dem Gelände standen und sahen, dass bereits bunt befarbpulverte Menschen richtig Spaß hatten, den lauten Beats der Partymusik (Panjabi MC, u.a.) tanzten.
Die Stimmung war so fröhlich und ausgelassen, dass es eine Freude war, den Leuten einfach nur beim Tanzen zuzusehen. Spontan wurde plötzlich von einer größeren Gruppe eine Polonaise veranstaltet, Farbpulversäckchen, die wir am Eingang erhielten, flogen auch außerhalb des Zeitpunktes des großen gemeinsamen Farbwurfs durch die Luft. Die Menschen sahen so lustig bunt aus mit ihrer Farbe auf dem Kopf, an der Kleidung und am Körper, dass es eine wahre Freude war, sie anzusehen. Natürlich tanzten auch wir Mädels. Meine Freundin hatte sogar eine Decke mitgenommen, auf der wir zwar nur kurzzeitig saßen, die aber genügend Platz für unsere Farbpulvertüten, Getränke und Taschen bot ;)



Einmal zu jeder vollen Stunde fand der gemeinsame große Wurf statt. Die ersten zwei Würfe des Tages hatten wir aufgrund des langen Anstehens versäumt, aber der dritte und vierte Wurf gehörte ganz uns.
Den erste Wurf beobachtete ich bereits vom Zaun, der das Partygelände vom übrigen IGA-Park trennte, und mir gefiel es dort schon, wie toll es aussah, als die Farben die Luft bunt färbten.
Der Moderator zählte von Zehn bis Null herunter und bei Null schütteten alle Beteiligten ihre Farbbeutel aus, deren Farben sich im Winde verwehten und auf den bereits o.g. Körperteilen niederließen. Manche Leute bewarfen sich auch direkt gegenseitig, was den Erfolg vergrößerte, dass noch mehr Farbe an der Kleidung hängen blieb. Mein Rücken war schön blau, mein Dekollete orange und nach den zweiten Wurf war mein Gesicht mit rotem Pulver besprenkelt.


Hier möchte ich gern literarisch werden und mich Goethes "Osterspaziergang" bedienen, der perfekt zu diesem Frühlings- und Farbfest passt:

"...Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür."


Drei kleine Kritikpunkte habe ich für den ansonsten sehr sehr gelungenen Tag:
- die Wartezeit
- die Preise für Getränke (0,5 l Bonaqua = 3,- Euro)
- das Gelände durfte zwar verlassen werden, doch trotz Bändchen durfte man nicht wieder aufs Gelände, sondern musste sich erneut in die riesige Schlange einreihen. Wozu dann das Bändchen?

Aber ansonsten kann ich dieses Fest jedem empfehlen, egal, ob er ein Indien-Interessierter ist oder nicht, denn es macht einfach so viel Spaß, sich von Farbpulver berieseln zu lassen und wie ein Kind ausgelassen in der Menge zu tanzen. Nächstes Jahr soll das Fest erneut stattfinden. Geht hin.










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