Samstag, 2. Juli 2016

Hundereiseausstattung

Ihr verreist mit Hund? Dann habe ich mir schon einmal Gedanken für Euch gemacht, was ihr mitnehmen könntet.
(Die Menge an Futter  müsst ihr individuell festlegen.)

Nassfutter in kleinen Dosen (Vor allen Dingen bei Spezialfutter, das nicht im Supermarkt erhältlich ist)
Messer/Löffel
Dose mit Deckel

Trockenfutter
Wasserflasche Fahrt
Hundenäpfe für Futter und Wasser
Decke
Maulkorb
Plastetüten

Fahrschein Bahn

Bei (magen)kranken Hunden:
Medikamente
Slippery Elm zur Beimischung im Futter


Samstag, 30. April 2016

"Ihre naive Theorie tangiert mich äußerst peripher, Sie kleines Pupshirn." - Sind intelligente Menschen weniger empathisch?



Kennt Ihr das auch? Ein super intelligenter Mensch, der schnell Zusammenhänge erkennt und auf vielen Gebieten ausgeprägt hohe kognitive Fähigkeiten aufweist, dieser Mensch kann an manchen Tagen sowas von nicht sozial sein, dass man sich wirklich fragt, wie dieses Verhalten mit seiner hohen Intelligenz zusammen passt.

Mit unsozialem Verhalten meine ich, dass der Mensch kurz angebunden, genervt, gereizt, zickig oder abgehoben reagiert und manchmal glaubt, das Wissen der Welt lastet allein auf seinen Schultern, was rechtfertigt, seiner Meinung nach weniger intelligente Menschen geringschätzig behandeln zu können. Oder aber der Mensch lebt wie ein Einsiedler, zurückgezogen zuhause, geht wenig unter Leute und scheint auch nicht unbedingt viele Freunde zu haben, denn "my home is my castle".

Ja, ich durfte die Erfahrung machen, dass es wirklich Menschen dieser Art gibt. Diese Erfahrung machte ich auch nicht nur einmal. All das, was ich im Folgenden beschreibe, sind MEINE Eindrücke. Sie erheben nicht den Anspruch, allgemeingültig zu sein.

Doch sind diese Menschen wirklich weniger empathisch, bzw. weniger sozial oder woran liegt es, dass dieser Eindruck entsteht, es könne so sein?

Fangen wir doch einmal an, in der Kindheit zu schauen, wie die kleinen wissbegierigen Menschen aufwuchsen. Oft hört man von Kindern, die bereits im Alter von 5 Jahren lesen, musizieren oder rechnen können. Gut ist es, wenn Eltern dies rechtzeitig erkennen und das Kind mit kindgerechter Literatur oder Aufgabenstellung fördern. So kann keine Langeweile aufkommen und das Kind fühlt sich nicht unterfordert. Wenn es sich nicht unterfordert fühlt, kommt es auch weniger auf "dumme Gedanken", wie etwa eine sinnlose Zerstörungswut oder verbal/körperliche Aggressionen zu entwickeln. Bringen die Eltern dem Kind zudem Lob und Anerkennung, sowie Liebe und Verständnis und Austausch im Umgang mit weniger wissbegierigen Kindern entgegen, kann das Kind in einem vertrauensvollen Verhältnis zu sich, seinen Eltern/Geschwistern und Freunden aufwachsen. Das ist die wunderschöne, spielerisch leichte Blümchenwiesentheorie. Doch leider sieht es oft anders aus.

In der Praxis scheint es vermehrt so zu sein, dass intelligente Kinder, die heute bereits seit vielen Jahren erwachsen sind, in einem Milieu aufwuchsen, in dem es viele der oben angesprochenen Punkte nicht oder nicht in ausreichendem Maß gab.
Wenn die Eltern lange arbeiteten und dem Kind nicht die Förderung zuteilgelassen werden konnte, die es gebraucht hätte, dann musste das Kind sich selbst genügen. Es versuchte vielleicht, aus den Kinderbüchern, die in dessen Zimmer vorhanden waren, die Geschichten selbst erst einmal nachzuerzählen oder so gut zuzuhören, wenn ihm des Abends vorgelesen wurde, dass es sich merkte, welchen Buchstaben an welcher Stelle des Wortes standen, das die Eltern gerade vorlasen.
So saß es also, auf die Rückkehr der Eltern zuhause wartend, im Kinderzimmer und übte allein lesen. Das führte dazu, dass es sich in der ersten Klasse erheblich langweilte, als die Kinder, die mit einer normal-durchschnittlichen Intelligenz gesegnet waren, die ersten Buchstaben lesen und schreiben lernten. Des Weiteren wurde das Kind von seinen Klassenkameraden ausgegrenzt, zum Teil, weil es schon schreiben konnte, sich langweilte und die anderen Kinder spüren ließ, wie wenig es am Unterrichtsstoff interessiert war oder aber, weil es versuchte zu helfen. Das jedoch wurde von den anderen Kindern nicht gewünscht und das schnell lernende Kind wurde als Besserwisser und Streber abgestempelt.
Wenn solch ein Zustand einmal erreicht wurde, ist es schwer, diesen zu ändern. Warum sollte dieses intelligente Kindchen seinen gegangenen Weg auch wieder verlassen? Es hatte nichts falsch gemacht, sondern wollte nur helfen. Und was konnte das Kind dafür, dass die Klassenkameraden so lange brauchten, um lesen und schreiben zu lernen? Es hatte sich das Lesen und Schreiben auch selbst beigebracht. Also musste das, was das Kind konnte doch auch für die anderen Kinder gelten.
Es verstand nicht, dass manche Kinder keine so rasche Auffassungsgabe hatten und dass für die anderen Kinder irgendwann ein "Stopp im Gehirn" einsetzte, der ab einem gewissen Denkprozess verhinderte, schneller, tiefgründiger und logischer an gestellte Aufgaben heranzugehen.
Für die Schulkameraden war es ebenso schwer, das kluge Kind zu verstehen, denn sie konnten ihm in ihrem Denken nicht folgen und stempelten es als angeberischen Streber ab, der nur die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich ziehen wollte.
Das kluge Kind war also tief in seinem Inneren getroffen. Zuhause war es allein und in der Schule wurde es von den Kameraden ausgegrenzt. 

All diese eben geschilderten Erfahrungen machte das Kind nicht nur einmal, sondern in seiner Schullaufbahn immer wieder. Und so entschloss es sich, keine weiteren Ratschläge zu geben, sich in der Pause lieber einem guten, neuen Buch zu widmen und die anderen Kinder in Ruhe in ihren Grüppchen spielen oder reden zu lassen. Sollten sie doch über den neusten Schulhofklatsch tratschen oder sich über Schminke, Autos, Fußball und das letzte Partywochenende unterhalten. Das war nichts gegen die Dramen von Shakespeare oder die philosophischen Ansichten von Nitzsche. Was wussten die Anderen denn schon von den wirklich wichtigen Dingen im Leben? Nichts. Das Leben war so viel mehr und diese kleinen einfachen Geschöpfe erkannten es einfach nicht. Wie langweilig die Gespräche mit ihnen waren....
Doch tief im Inneren hätte das Kind sich gewünscht, mit ihnen in einer Gruppe zu stehen, mitzulachen, mitzugehen zu abendlichen Veranstaltungen. Aber die wollten es nicht dabei haben. Sie waren so ein eingeschworener Haufen, dass man an sie nicht mehr herankam. Die Themen waren nicht die gleichen. Des Kindes Meinung eine andere als ihre.
Zu all den unglücklichen Lebensumständen kann hinzukommen, dass sich auch die Eltern zunehmend überfordert fühlten und den Anforderungen des Kindes nicht mehr gerecht werden konnten, da ihr Wissenstand nun ein Defizit aufzuweisen begann, je mehr Klassenstufen das Kind absolviert. Aufgabenstellungen wurden nicht mehr verstanden, den Gedanken, die sich das Kind über das Leben machte konnte keine ausreichende Antwort mehr gegeben werden. Die Frustration der Eltern  stieg, über sich selbst und über das Kind, das auf einmal ein nicht mehr überwindbarer Berg an Wissen und Anforderungen wurde. Es kann gut sein, dass die Eltern begannen, diesen Frust am Kind auszulassen, verbal oder physisch. Das trug dazu bei, dass sich das Kind von den Eltern entfernte, rebellierte oder sich, alleingelassen fühlend, in seinem Zimmer verkroch, um dort lieber mit Gleichgesinnten im Internet zu chatten.
Das Kind wurde zum Jugendlichen und plötzlich tauchte das andere Geschlecht auf. Der Jugendliche wollte es erobern und erfahren, was es hieß, die erste große Liebe für sich zu gewinnen. Doch wie eroberte man die große Liebe?
Die Klassenkameraden schienen damit keine Probleme zu haben. Sie prollten vor den Angebeteten die ihnen gefielen herum, luden sie zum Drink ein und unterhielten sich unbefangen. Aber wie unterhält man sich unbefangen, überlegte der sonst so wissensüberlegene Teenager? Er könnte über die 10. Neuauflage des gerade erschienenen Goethe-Klassikers "Die Leiden des jungen Werthers" sprechen. Das könnte die Gegenseite interessieren. Zudem könnte man unauffällig seine versteckten  Gefühle zum Ausdruck bringen, denn so offen war es dem Jugendlichen nicht möglich, über seine Gefühle zu reden. Das würde plump wirken und den angebeteten Gegenpart wohl möglich verschrecken. Außerdem wollte er nicht aufdringlich sein, denn er wusste nicht, wie das Gebaren beim Gegenüber ankam. Daher war die Idee des mit-dem-anderen Geschlecht-was-trinken-Gehens in den  Augen des Jugendlichen eher wenig geeignet, sich zu nähern.
Irgendwann nahm er all seinen Mut zusammen und fragte nach dem Unterricht, ob es von Interesse sei, das Goethewerk miteinander zu lesen und zu besprechen. Die Gegenseite verneinte und fragte gleichzeitig, ob es sich nicht um das Buch von dem Autor handele, der vor einiger Zeit diesen Zombiethriller herausgegeben hatte.
Am Verstand des Gegenübers zweifelnd und traurig-enttäuscht darüber, abgewiesen worden zu sein, fragte sich der Jugendliche, wie man mit solch einer in seinen Augen ungebildeten Person das Bedürfnis haben konnte, einen gemeinsamen Lebensweg zu beschreiten. Der Rückschlag saß tief, denn er hatte sich viel von seiner Frage versprochen. Er wollte auch dazugehören, auch einen netten Partner an der Seite haben, mit dem man sich über das Leben austauschen und eventuell sogar die gleichen Interessen teilen konnte. Dem Jugendlichen war das Gegenüber aber so wichtig, dass er noch einen Versuch der Kontaktaufnahme wagte. Er dachte sich, es wäre gut, seiner Gefühle schriftlich Ausdruck zu verleihen. Er legte seine ganze Energie in das Schreiben ebendieser, ein wenig jugendlich-kitschig, aber voller Innbrunst. Der Brief blieb ohne Antwort.

Das für die Jugendjahre Beschriebene setzte sich fort. Irgendwann beschloss der junge Erwachsene, nach dem nun vollendeten Studium, in dem er sich zwar mit Gleichgesinnten austauschen konnte und seine Gesprächsthemen endlich verstanden und ernst genommen wurden, sich vollends auf die Arbeit, die Karriere zu konzentrieren. Es blieb keine Zeit mehr für die Suche nach der Liebe fürs Leben zu begeben, die nach seiner Ansicht sowieso nur eine üble Laune der Natur und der Hormone war, zur Fortpflanzung dienend und danach weitestgehend uninteressant und belanglos. Er beschloss des Weiteren mit all seinem geistigen Willen sich nicht mehr zu verlieben und hob statt des Fühlens das Denken in den Zenit. Außerdem war der junge Erwachsene der Ansicht, menschliche Beziehungen schränkten das Leben zu sehr ein. Sie beraubten die Freiheit, die das Leben bei all seiner Unfreiheit noch bot. Und nach Kompromissen stand ihm nicht der Sinn.
Anhand dieser Darstellungen lässt sich leicht erkennen, dass es dem intelligenten Menschen gar nicht möglich war, ausreichend empathische Fähigkeiten zu entwickeln, was aber NICHT heißt, dass der Mensch nicht empathisch ist. Das Erlernen von Empathie wurde dem Menschen nur schwer gemacht. Und im Herzen, ganz tief in sich drin ist dieser Mensch sehr wohl sehr empathisch (siehe Liebesbrief und seine Empfindungen, die immer wieder durch Ablehnung in Trauer, Wut und Resignation umschlugen). Er vermied nur zunehmend, seine Gefühle nach außen zu tragen. Zudem begann er sich irgendwann zu fragen, warum er immer nett auf andere Menschen zugehen soll, wenn sie ihn als Person oder seine angebotene Unterstützung sowieso ablehnten. Daraus ergibt sich, dass er nicht nur genervt reagiert, wenn ihm in seinen Augen "naive" Fragen oder Theorien/Praxen herangetragen werden, sondern auch, um Leute auf Abstand zu halten, um den Schmerz der vergangenen Tage nicht noch einmal erleben zu müssen.

Rechtfertigen diese Lebensumstände ein ungebührliches Verhalten anderen Menschen gegenüber? Sicher nicht! Aber für diese Menschen ist es vielleicht leichter zu verstehen, warum ein Mensch, der mit überdurchschnittlich kognitiven Fähigkeiten ausgestattet ist, so agiert.

Ich denke, das Einzige, was intelligente Menschen anderen Menschen voraushaben KÖNNTEN, wäre ggf. die Möglichkeit des schnelleren (Wieder-)Erlernens empathischer Fähigkeiten. Diese Schlussfolgerung ziehe ich daraus, da mir bekannt ist, dass der Umgang mit Empathie bei intelligenten Menschen eher auf rationaler Ebene stattfindet, als auf emotionaler. Da intelligentere Menschen über eine schnellere Auffassungsgabe verfügen, könnte es in meinen Augen möglich sein, diese mitfühlenden Fähigkeiten rational zu verstehen, um sie emotional umsetzen zu können. Das kann einerseits mit professioneller Hilfe erfolgen, aber mehr und besser noch erlernt werden, indem der Austausch mit anderen Menschen stärker zugelassen wird. 

Und hier zum Schluss: Nein, Menschen mit einem höheren IQ müssen nicht unempathischer als Menschen mit einem durchschnittlichen IQ sein.

Samstag, 23. April 2016

Bilde die Quersumme zum Quadrat aus yz und dividiere durch Pi- Intelligente Intelligenztests?!





Bei der Recherche zu einem eigentlich anderen Thema, das sich aber an dieses heutige anschließen lässt, gelangte ich zu der Frage "Sind Intelligenztests wirklich intelligent und wofür brauche ich sie in der heutigen Zeit? Sind sie eventuell ein Relik aus einer vergangenen Zeit?"



Um diese Fragen etwas genauer beantworten zu können, setzte ich mich heute hin und führte selbst noch einmal ebendiesen Test aus. 

Mit Schaudern musste ich an die Intelligenztests der Einstellungsverfahren für die Berufsausbildung denken, die ca. 20 Jahre her sind. Aufgaben mussten in einer bestimmten Zeit gelöst werden. 
Wenn ich sie nicht beantworten konnte, kam ich mir vor wie der letzte Loser. Ich dachte nur: Jetzt hab´ ich´s vergeigt, ich bin nicht intelligent. Ich bin nichts wert. Denn nur wer intelligent ist, wird von der Gesellschaft anerkannt und hat Erfolg."

Für jede nicht beantwortete oder falsch beantwortete Aufgabe schämte ich mich in Grund und Boden. Sollte ich es nicht eigentlich doch besser können? War ich wirklich so dumm?


Doch dann kam meine Zeit: der Deutschtest. Rechtschreibung, Finden von Fehlern, Schreiben von Texten. Voll mein Ding.
Und dann noch ein wenig Sozialkunde. Das war auch noch sehr okay. Nicht spitzenmäßig, aber okay. 
Damals meinte man, ich wäre intelligent genug, eine Ausbildung zu beginnen. Soweit, so fein.

Allerdings bestehen die Großteile dieser Tests aus mathematisch-logischen Aufgaben, deren Lösen mir einfach nicht lag. Ich bin kein logisches Wesen, also gemessen an den wirklichen Brains.

Aber fragt man mich, ob der süße Kerl dort hinten an der Theke was mit der kleinen Blondine anfangen will und ob sie nicht gerade ihre Tage hat, womit der Abend für den Kerl wahrscheinlich schon gerade beim Ansprechen beendet ist, und ob ihm eventuell ein Furz quer sitzt, da seine bis jetzt verheimlichte feste Freundin ihn vorher zuhause so richtig zur Sau gemacht hat, weil er wieder den Abwasch nicht erledigt hat, solche Themen sind genau mein Ding...


Zurück zum heutigen Intelligenztest der Süddeutschen Zeitung. Lassen Sie mich das Ganze so zusammenfassen: Eine Amöbe hätte spielend mit mir konkurrieren können.

Woran lag das? Zum einen ganz einfach: als ich damals, zu Schulzeiten, diese Tests machen musste, war ich tippitoppi vorbereitet. Ich hatte gefühlte hunderte solcher blöden Tests zuhause am Schreibtisch durchgespielt. In den verschiedensten Variationen. Mathematik, Logik, Sozialkunde, Deutsch....alles Themen, die ich in der Schulzeit bis zum Erbrechen lernen musste, die also noch sehr frisch in meinem Gehirn gespeichert waren.


Zum anderen sorgte man zuhause dafür, dass ich genug Schlaf bekam, ausgewogen aß und den Test nicht mal eben zwischen zwei Arbeitsschichten lösen musste. Das sind Komponenten, die solch einen Test sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können.
Des Weiteren hatte ich nicht im Hinterkopf zehn weitere Aufgaben gespeichert, die an einem Prüfungstag noch hätten erledigt werden müssen, so wie es heute der Fall war.



Zwanzig Jahre später stelle ich mir dennoch die gleiche Frage: bin ich eigentlich dumm? Wieso weiß ich soviel nicht (mehr)? Ich weiß, dass Logik und "höhere" Mathematik nie mein Steckenpferd waren und es nie sein werden. Trotzdem ärgert es mich, diese Aufgaben in so geringem Maße zu können. Und in Sozialkunde bin ich auch nicht mehr die hellste Kerze am Baum. Das liegt daran, dass ich mich in den letzten Jahren kaum hinreichend mit politischen/gesellschaftlichen Themen auseinandersetzte und es auch nicht wollte.

Aber was habe ich in den vergangenen Jahren wirklich gut gemacht? Geschrieben. Gekocht. Meine soziale und kulturelle Kompetenz geschult. Darin bin ich eindeutig besser geworden. 

Trotzdem bestätigt mir der Intelligenztest, dass ich meinen Maßstäben (!) nicht gerecht werde. Ich bin immer noch dumm. Meine Freunde sagen etwas Anderes. Ich frage mich, woher sie diese Meinungen haben...



Zurück nun zur Ausgangsfrage: Sind Intelligenztest wirklich intelligent? Ja, in gewisser Weise schon. Für Einstellungstests sind sie nützlich. So kann ich ganz gezielte Fragen stellen, die speziell auf die Arbeit in einer Firma abzielen (btw Führerscheintests sind auch Intelligenztests ;) ) und muss nicht befürchten, dass Herr Meyer gleich am ersten Arbeitstag die Bank in den Ruin stürzt, weil er den 2,5 %igen Zinssatz von 1234.56 Euro als Banker nicht ausrechnen kann.

Aber außer, dass ich vielleicht (k)ein kleines Brain in Mathematik und Logik bin, was sagen diese Tests über mich als Mensch aus? Bin ich deswegen ein schlechterer Mensch? Sie sagen nämlich nichts darüber aus, ob ich künstlerisch begabt, hilfsbereit, fleißig, pünktlich und sozial kompetent bin. Ich könnte den besten Test der Welt hinlegen, aber wenn ich meine zukünftigen Chef im Vorstellungsgespräch mit "Na, Alter, was geht? Alles fit im Schr...?!" begrüße, glaube ich nicht, dass der zukünftige Chef wirklich zukünftig sein wird.

Es ist daher wichtig, wenn man einen solchen Test gestaltet, ihn nicht nur auf den Denkraum der Logik, Sprache und Schrift zu spezialisieren, sondern ebenso die künstlerische und personelle Intelligenz abzufragen, bzw. zu hinterfragen.
Denn nur, wer den Menschen in seiner Vielfalt des Denkens und Handelns wahrnimmt, kann mit solch einem Intelligenztest die Gestalt des Menschen in Gänze erfassen.

Sonntag, 6. März 2016

Gefüllte Paprika ohne tote Tiere, aber mit Käse... und Ei





Zutaten

1 - 2 Paprika
1 Süßkartoffel
1/2 Aubergine
2 Eier
2 Scheiben Käse nach Belieben (Gouda, Edamer...)
3 -  4 Tomaten
1 Knoblauchzehe
1/4 Zwiebel
etwas Gemüsesuppenpulver
etwas Sahne 
etwas Butter
Agavendicksaft
Salz
Pfeffer
Paprikapulver süß
Estragon

Füllung

Für je 1 Paprika eine halbe Süßkartoffel mit 1 Scheibe Käse, 1 Ei, Paprikapulver, Salz und Pfeffer im Mixer zu Mus verarbeiten. In die ausgehöhlte Paprika füllen.

Sauce

30 Minuten vor dem Kochen der Tomaten-Auberginensauce die Auberginen in Scheiben schneiden, salzen, 30 Minuten warten, dann abwaschen und abtupfen.
Tomaten, Knoblauchzehe, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Estragon, Gemüsesuppenpulver, Agavendicksaft im Mixer zu Sauce verarbeiten.

Zubereitung

Butter in einen großen Topf geben, die Auberginen kurz darin wenden, sodass sie ganz leicht braun werden.
Dann die vorbereitete  Mixer-Tomatensauce dazugeben, kurz aufkochen lassen.
Die gefüllten Paprika in die Sauce geben und auf niedriger Flamme schmoren lassen. Zwischendurch immer wieder mal Wasser zur Tomatensauce geben. Es verdunstet während des Kochens.
30 - 40 Minuten vor sich hinschmoren lassen.

Die Paprikas dauern in der Garung ziemlich lange. Wer großen Hunger hat, nimmt die Paprika nach ca. 20 Minuten aus dem Topf in einen Teller und gibt sie für 2 Minuten bei oberer Stufe in die Mikrowelle.
Währenddessen die Sahne in die Tomaten-Auberginensauce geben und umrühren.
Nach 2 Minuten Paprika aus der Mikrowelle nehmen und zurück in den Topf geben. Aufpassen, die Paprika ist sehr instabil. Wer sie im ganzen in den Topf zurücktransportieren möchte, sollte sich eines Küchenwenders bedienen.

Danach nochmals alles gemeinsam kurz köcheln lassen und ab damit auf den Teller. Prost!

Dienstag, 9. Februar 2016

Ich war am Samstag bei Ikea - ich arme Irre... oder auch: man bewirft sich mit Fleischbällchen

Natürlich habe ich dort auch was zu Mittag gegessen. Gibt es Jemanden, der nichts bei Ikea isst? Gibt es diese wunderlichen Wesen, die es schaffen, einfach so an den leckeren Salaten und Suppen und Waffeln vorbeizugehen, ohne Hunger zu bekommen?
Na jedenfalls stellte ich fest, dass die meisten Menschen, die entweder ihr Essen erst noch holten oder bereits an Tischen Platz genommen hatten, Köttbullar bestellten und aßen. Köttbullar und Pommes. So richtig deutsch. Pommes und Klopse. Ich fragte mich die ganze Zeit, warum das so ist?! Es gibt doch so leckere andere Dinge dort. Super frischen Salat mit Krabben oder Lachs oder Schnicken, Wraps und Schnittchen mit Räucherlachs. Aber warum immer diese Klops und Pommes? Zumal es keine Kinder waren, die das aßen, sondern überwiegend Erwachsene. Dabei kann man Klopse doch zuhause essen und Pommes im Ofen dazu braten.
Mich irritierte das irgendwie. Ich kann nicht einmal genau sagen, warum. Vielleicht, weil ich feststellte, dass es sooo viele Leute waren. Man hätte quasi auch nur Köttbullar anbieten können. Es ist so schade um all die anderen leckeren Dinge, die es dort gab. Profane Klopse, mit Pommes. Das war des Herzens Begehr. So einfach. Ehrlich, die Salate dort sind sehr lecker, warum essen nicht mehr Menschen die? Die waren auch viel bunter, als das braun-gelb-rot-Gemisch auf dem Teller der Köttbullar-Leute.
Klar, ich esse auch gerne Klopse. Und auch Pommes. Aber wenn ich so leckere andere Sachen dort sehe, dann möchte ich lieber die essen. Auch wenn ich sonst nicht die Salattante bin. Dort bin ich es meistens.
Ich plädiere dafür: esst mehr bunte Salate und Wraps bei Ikea. Die werden sonst weggeschmissen. Und dabei sind sie doch so bunt. Und gesund. Und leckerrrr.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Meine Bücherliste

Als Anregung hier für Euch Bücher, die ich in den vergangenen Monaten las.

"Das Rosie-Projekt" - Graeme Simsion

"Im Café der verlorenen Jugend" - Patrick Modiano

"Der Kuss des Einhorns" - Tracy Chevalier

"Vielleicht morgen" - Guillaume Musso

"Knulp" - Hermann Hesse

"Masken der Niedertracht" - Marie-France Hirigoyen

"Der Fall der Mrs Robinson" - Kate Sumerscale

"Der Gefallene des Himmels" - Carlos Ruiz Zafón

"Der Großinquisitor" - Fjodor M. Dostojewski

"Weiße Nächte" - Fjodor M. Dostojewski

"Fräulein Ilse" - Arthur Schnitzler

"Traumnovelle" -Arthur Schnitzler

"Ein ganz neues Leben" Jojo Moyes

"Ein allzu braves Mädchen" - Andrea Sawatzki

"Zwischen den Akten" - Virginia Woolf

Dienstag, 2. Februar 2016

"Jana, sind die Figuren echt oder hast Du sie Dir ausgedacht?" - Wie ich schreibe

In der letzten Zeit haben sich einige Fragen zum Thema "Wie schreibe ich" angesammelt, die ich heute beantworten möchte.

Ich bin wahrscheinlich die chaotischste Schreiberin, die es gibt.
Oft wird gesagt, "macht Euch Notizen, wie der Aufbau der Geschichte sein soll, wie sich die Kapitel gliedern, welche Charaktere Eure Figuren tragen werden. Strukturiert!"
Für viele Menschen mag diese Methode funktionieren. Für mich leider nur in Teilen. Bei all der vorherigen Gliederung und Beschreibung hatte ich immer ein wenig das Gefühl, ich werde eingesperrt. Meine Kreativität und meine Ideen, die vorher im Kopf noch bunt durcheinander wirbelten, wurden zusammengepresst in Teilschritte, sodass mir bei der ganzen Vorbereitung und Beschreibung schon die Lust auf die Geschichte verging. In der Tat ist das so einmal in einer Geschichte passiert, die ich für unbedingt schreibenswert hielt und immer noch halte, die ich eines Tages noch verwirklichen möchte. Aber als ich nun gegliedert, beschriftet, charakterisiert hatte, habe ich die beschriebenen Blätter, auf denen meine Vorbereitungen stattfanden, genervt zur Seite gelegt. Die Geschichte ist bis heute drei Male in unterschiedlicher Art von mir begonnen worden und nicht über die ersten vier Seiten hinausgekommen... Es mag sicher auch daran liegen, dass ich mit meinen Ideen noch nicht ganz zufrieden bin, aber diese ganze Vorarbeit nervte mich schon sehr.
Durch eine gute Vorarbeit ist gewährleistet, dass man sich beim Schreiben nicht im Kreis dreht, immer genau weiß, wo man sich beim Schreiben befindet und jeder Figur im Stück eine genaue Rolle zuordnen kann. Das ist sehr wichtig, gerade bei längeren Texten oder gar einem geplanten Buch. Doch für mich heißt das, ich lasse meine Kreativität fallen. Ich arbeite in einem Korsett, an das ich mich nun zu halten habe, ohne davon abweichen zu können. Was passiert aber, wenn mir das eine Kapitel nicht mehr gefällt und ich es anderes schreiben, oder gar weglassen möchte? Dann passt nichts mehr zusammen und ich kann mit der Strukturierung neu beginnen. Auch das ist mir schon passiert. Dabei vergeht mir allerdings der Spaß am Schreiben und meine Kreativität zieht sich weinend in eine dunkle Ecke zurück. Ich kann so nicht arbeiten ;).

Ich schreibe einfach darauf los. In meinem Kopf entsteht ein Bild, eine Idee. Dieses Bild versuche ich, genau zu beschreiben. Und während ich es beschreibe, entstehen neue Bilder in meinem Kopf und ich beschreibe auch diese, bis schließlich die Geschichte komplett ist. So habe ich nicht das Gefühl, wie bei der o.g. Gliederung und Strukturierung, dass die Geschichte in Zwänge gerät und bereits vor dem Schreiben abgeschlossen ist. Für mich entsteht durch freies Schreiben ein fortlaufender Prozess. Eines fügt sich zum anderen. Ein Bild ergibt das nächste. Auch meine Geschichte baut sich auf. Gewinnt an Personen, an Ereignissen, an Historie. Ich beschreibe, was ich in mir sehe.
Der Nachteil ist, dass ich mich dabei immens verzetteln kann. Drei Mal das Gleiche schreibe, oder die Logik abhandenkommt. Aber he, ich kann alles noch mal umschreiben, ohne das meine Strukturierung in Gefahr gerät, denn ich habe ja keine. ;)
Natürlich ärgert es mich, wenn ich am Ende bei der Kontrolle merke, dass ich mehrmals den gleichen Inhalt, nur mit anderen Worten ausgedrückt, schrieb. Das kostet Zeit, da lässt man auch manchmal Nerven. Aber ich habe nicht das Gefühl, ich würde meine Ideen einsperren. Sie dürfen sich ausbreiten, leben, fließen.

Die Frage, ob ich an real existierende Menschen während des Schreibens denke, kann ich mit JA beantworten. Es ist generell so, dass ich oft über eigene Gefühle, Erfahrungen und Erlebnisse in einem anderen Kontext schreibe. Ich lasse mich durch Menschen und Einflüsse im täglichen Leben inspirieren. Da kommt es eben auch vor, dass ich mich an real existierenden Personen orientierte. Manchmal mehr, als einige ahnen ;). Bis jetzt kann ich aber im Großen und Ganzen für meine Geschichten sagen, dass der überwiegende Teil meiner Figuren meiner Fantasie entspringen.


Nun zu der Frage, wie lange ich für das Schreiben einer Geschichte benötige. Im Schnitt kann man sagen, dass ich eine Stunde schreibe und eine weitere Korrektur lese, vielleicht ist sogar der Anteil des Korrekturlesens ein wenig höher als der des Schreibens. Für meine Kurzgeschichte "Das Heidelbeerkompott" habe ich drei Stunden Zeit benötigt, inklusive der Korrekturen. Korrekturen beinhalten nicht nur die Kontrolle, ob Rechtschreibung und Grammatik korrekt sind, sondern auch, ob es Doppelungen der Sätze gibt, der Satzaufbau stimmt, die Reihenfolge der Szenen korrekt ist und ob die Sätze harmonisch klingen. Erst, wenn alles für mich stimmig ist, ist die Korrektur beendet.
Ich weiß nicht, ob das viel oder wenig ist. Darauf kommt es auch gar nicht an. Es kommt darauf an, dass es Spaß macht, zu schreiben, und darauf, ob ich meine Geschichte so schreiben konnte, wie ich sie mir vorgestellt habe.

Damit kommen wir zum nächsten Punkt: Kannst Du alle Vorstellungen umsetzen, die Du im Kopf hast?
Generell kann man das natürlich. Wenn man sehr exakt arbeitet.... Ich habe aber auch schon einmal eine Geschichte verhauen, weil sie nicht so wurde, wie ich sie mir erträumt hatte. Irgendwann nahm sie eine ganz andere Richtung als von mir gewollt. Blöd, aber ja, das kommt vor. Ich mag die Geschichte bis heute nicht so wirklich, obwohl meine Idee dazu so schön aussah vor meinen inneren Augen. Ja, ich hätte ihr eine andere Wendung geben können, ich war dann aber zu faul, noch einmal fast alles neu zu schreiben.
Gott sei Dank habe ich in meiner Ausbildung das Schreiben mit 10 Fingern gelernt, was es mir ermöglicht, die Worte in der Zeit niederzuschreiben, in der ich sie denke. So spare ich ein wenig Zeit, weil ich nicht jeden Buchstaben suchen muss, sondern "blind", also ohne auf die Tastatur zu sehen, schreiben kann. Das hilft mir ungemein und ich empfehle das Erlernen des 10-Finger-Systems jedem, der täglich oder aber öfter lange Texte schreiben muss.

Ich hoffe, ich konnte Euch einige Fragen zu meinem Schreiben beantworten. Wenn Euch noch mehr einfällt, fragt mich ruhig. Ich antworte Euch, entweder sofort unter der Frage oder aber später in einem neuen Post.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Der Film "Her" und die Frage, ob man mit einer virtuellen Freundin leben kann

 

Kann man sich in ein Computersystem verlieben, welches vorgibt, die beste Freundin zu simulieren? Ist der Mensch in der Lage, auseinanderzuhalten, dass er gerade nicht mit einem Menschen, sondern mit einem computergesteuerten Programm spricht?


Dieser Frage geht der amerikanische Film "Her" aus dem Jahr 2013 nach.


In ihr lebt der Autor Theodore Twombly. Er schreibt Briefe für Menschen, die einen nicht so guten Zugang zum Verschriftlichen von Gedanken haben und denen es schwer fällt, gefühlvolle Texte, wie Liebesbriefe oder Entschuldigungen, etc., zu verfassen.
Er selbst wurde von seiner Frau verlassen und steckt mitten in der Scheidung. Man merkt ihm an, wie sehr ihn dieser Zustand bedrückt, denn er war mit seiner Jugendliebe verheiratet und hat sie sehr geliebt.
Im Zustand der Einsamkeit gerät er an ein neues, gerade auf den Markt gekommenes Operating System. Dieses verspricht, für ihn die perfekte Freundin zu kreieren, nachdem Theodore ein paar persönliche Fragen des Operating Systems beantwortet hat.
Heraus kommt eine Persönlichkeit namens "Samantha", die nun Tag und Nacht zu Theodors Verfügung steht. Sie checkt seine Mails, stellt Playlisten zusammen, löscht ungelesene Daten von seinem PC und gibt so vor, die perfekte Frau für ihn zu sein.
Das „Freundinnen-Programm“ wurde über mehrere Jahre von hunderten Wissenschaftlern ausgetüftelt und soll exakt menschliche Bedürfnisse und Gefühle sprachlich wiedergeben. Es ist ein Ersatz für eine wirkliche Freundin oder einen Freund.
Den Ersatz darzustellen, gelingt "Samantha" so gut, dass Theodore beginnt, sich in die programmierte Dame zu verlieben. Sie wird zu seiner "festen Freundin", die er zu Treffen bei seinen realen Freunden mitnimmt und sie via Lautsprecherfunktion seines Handys an Gesprächen teilnehmen lässt. Ansonsten unterhält er sich mit ihr mittels Kopfhörer.
Es kommt, wie es kommen muss und Theodore und Samantha haben ihren ersten Streit, den Theodore ziemlich bedrückt verlässt. Irgendwann nähern sie sich wieder an und Theodor und Samantha verbringen viele Monate miteinander, bis sie eines Tages nicht mehr für ihn erreichbar ist...


Der gesamte Film spielt in der Zukunft, eine Zukunft, die eher Robotern als Menschen gehören zu scheint. Zwischen all den Hochhäuserglasfassaden und der den Menschen einnehmenden Technologie erschien mir ein einziges Lebewesen wie eine kleine Ameise in einem großen Ameisenstaat.
Zudem wurde der Mensch von Technik umgeben, die es heute noch nicht gibt, die aber in der nicht mehr allzu fernen Zukunft sehr wahrscheinlich zu werden scheint.
Ich als kleine technikbegeisterte Ameise fand es sehr interessant, zu sehen, was alles auf uns zukommen wird.
Und gleichzeitig machte es Angst. Angst, nur noch von der Technik abhängig zu sein, denn der Mensch schien immer mehr in den Hintergrund zu treten. Das Leben fand zwischen Mensch und Computerprogramm statt, statt von Mensch zu Mensch.


Viel wichtiger aber war für mich zu sehen, wie eine "zwischenmenschliche" Beziehung zu einer virtuellen Freundin funktioniert. Sollte man nicht meinen, ein Mensch ist dauerhaft in der Lage, zwischen menschlicher und maschineller Kommunikation zu unterscheiden? Eine Maschine ist ein Gegenstand, den man bei Belieben nach Gebrauch wegwerfen kann. Der Mensch nutzt ihn, solange er Spaß daran hat... Ups, was für eine scheinbare Parallele zu heutigen menschlichen Beziehungen, denn es erweckt den Anschein, dass derzeitige Beziehungen zwischen zwei Homo sapiens genau so funktionieren.


Nun gut, dieses "Freundinnen-Programm" existiert also und Theodore lässt sich auf die unsichtbare Dame, deren Stimme er  - im wahrsten Sinne des Wortes - im Ohr hat, ein. Das "Freudinnen-Programm" möchte menschlich werden und bittet um viele Beschreibungen von Theodors Umgebung und Gegenständen. Theodor nimmt Samantha mit in seinen Alltag. Er beschreibt ihr Dinge, die er sieht oder anfasst. Aber auch, wie sich Sachen anfühlen, welche emotionale Sicht er auf seine Exfrau und die Scheidung einnimmt. Und das „Freundinnen-Programm“ speichert alles, was Theodore ihm erzählt. Samantha wird zur wahren Freundin, nur besser, denn sie scheint ihn vollkommen zu verstehen.
Theodore kann bald nicht mehr unterscheiden, ob es sich um einen Menschen oder eine Maschine handelt. Dass Samantha über keinen physischen Körper verfügt, stört ihn nicht. Er entwickelt sehr menschliche und natürliche Gefühle für sie.
Das zeigt mir, dass ein Lebewesen jederzeit verbindende oder auch distanzierende Gefühle für ein Objekt entwickeln kann, sobald sich der Mensch näher darauf einlässt. Sei es, dass der Mensch dem Objekt Zeit widmet, es genauer hinsichtlich der Beschaffenheit untersucht und mit ihm Erlebnisse verbindet, was wohl letztlich das Wichtigste zu sein scheint. Es muss eine emotionale Bindung geschaffen werden.
Der Mensch projiziert seine Gefühle auf ein Objekt, das somit im Ansehen des Menschen steigt. Das führt dazu, dass der Mensch meint, ohne dieses Objekt nicht oder nur schwer leben zu können und er es in seinem Leben nicht mehr missen möchte.
Wenn das Objekt zudem noch zur Unterhaltung fähig ist und Dinge sagt, die der Mensch hören möchte, dann ist die verbindende Beziehung perfekt.
Das heißt, für den Menschen ist es ganz egal, ob er ein Objekt oder ein Lebewesen vor sich hat.

Das kann man auch in "Cast away - Verschollen" sehr gut sehen, dem Film, in dem Tom Hanks auf einer einsamen Insel strandet, einen Volleyball in einem mit ihm gestrandeten Paket findet und diesen nutzt, um mit ihm zu sprechen, um nicht "ganz allein" auf der Insel zu sein.

Apropos "gut mit sich allein sein".... Ist man wirklich allein, wenn man eine Beziehung zu einem Objekt aufbaut? Von außen betrachtet schon, denn wie sieht es, aus, wenn man allein durch seine leere Wohnung läuft, wie Theodore es in „Her“ tut und "mit sich selbst redet", bzw. es aussieht, als führe er gerade ein Telefongespräch über Kopfhörer.
Ich wiederum denke, der Mensch (oder auch Theodore) ist nicht allein, denn in seinem Kopf entstehen Visionen, die mit Gefühlen verknüpft werden. Für die anderen Menschen um ihn herum ist Theodore allein, doch er, in seiner Welt, die kein Anderer kennt, ist nicht allein. Er lebt wirklich mit diesem Objekt zusammen. In seiner Welt ist alles real.
Von außen betrachtet können Menschen also gut allein sein, von innen betrachtet sind sie es aber gar nicht, weil immer jemand ihren Geist mit Leben füllt.

Nun zu den negativen Seiten, denn so schön das Leben mit Samantha für Theodore auch ist, es endet irgendwann. Und Theodore ist wieder allein, verlassen von einem Objekt und in der gleichen Gefühlsspirale der Trauer, Verzweiflung und Wut gefangen, als hätte ein Mensch ihn verlassen.
Es macht also auch hier keinen Unterschied, ob es sich um einen Homo sapiens oder ein Objekt handelt, der Schmerz bleibt der gleiche.


Der Film machte mich letztendlich sehr nachdenklich. Sind wir Menschen wirklich so dumm, auf eine Maschine hereinzufallen? Die Antwort ist: JA!, der Mensch macht sich von einer Maschine abhängig. Er würde mit einer Maschine befreundet sein und sie evtl. sogar heiraten. Brauchen wir also keine anderen Menschen mehr, um auf dieser Erde zu leben? Wohl nicht, wenn man jemanden hat, der die emotionalen Bedürfnisse des Menschen befriedigt.

Das macht mir Angst. Aber zugleich zeigt es auch die Möglichkeiten auf, zu denen Mensch und Maschine in einem worst-case-Szenario fähig wären. Man kann quasi der einzige überlebende Mensch auf dem Planeten sein, wenn einem Pflanzen und Wasser für die tägliche Nahrung zur Verfügung stehen. Anbauen und bewässern macht man allein, auch das Haus errichtet man selbst und unterstützt wird man emotional durch ein PC-Programm (das mit dem einzigen Menschen und den Pflanzen/dem Wasser also keinen Schaden genommen haben sollte). Der Mensch wäre also nicht mehr allein.
Blöd wird es allerdings, wenn sich das Programm irgendwann einmal aufhängt und nicht mehr in Betrieb genommen werden kann. Denn dann geht auch der letzte Mensch allein zugrunde.
Fazit: Für Misanthropen ist das „Freundinnen-Programm“ sehr zu empfehlen, für Menschenliebhaber jedoch weniger, da es zu keiner physischen Annäherung kommen wird. Zudem empfehle ich den Film „Her“ aus tiefstem, emotionalen, menschlichen Herzen. Seht ihn Euch an.

Freitag, 15. Januar 2016

Von "Marina" und dem Pechkeks - Gruselig ins neue Jahr


 


Carlos Ruiz Zafón steht für mich seit jeher für spannende Literatur. 
Seine Geschichten, die sich meist in Barcelona ereignen, und von mysteriösen Gestalten handeln, die von unwissenden, unbefangenen Menschen aufgespürt werden, die dann, um hinter die Identität der Gestalt zu kommen, in unverständliche Ereignisse verwickelt werden, welche sich im Laufe der Geschichte zu einem Sinn zusammenfügen, sind viel bekannt und viel geliebt. Doch es gibt ein Buch von ihm, das mich zum ersten Mal richtig gruseln und teilweise ekeln ließ. ABER es war so spannend erzählt, dass ich weiterlesen musste, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte endet. 
Die Rede ist von dem Buch "Marina". Es ist eines von Carlos Ruiz Zafóns ältesten Werken, entstanden 1999, zwei Jahre vor dem Erscheinungsjahr seines Bestsellers "Der Schatten des Windes". 



Der junge Internatsschüler Oscar Drai fährt nicht wie alle anderen Mitschüler in den Weihnachtsferien zu seiner Familie nachhause, sondern bleibt in seinem Internat. Die Tage bis zum erneuten Schulbeginn sind knapp, sodass es sich für ihn nicht lohnt, seine Eltern zu besuchen. Freunde hat er kaum und so ergibt es sich, dass er in seiner freien Zeit durch die Straßen Barcelonas streift und an eine alte, verfallene Villa gelangt, auf dessen Terrasse er eine alte Uhr findet, die er an sich nimmt und, durch einen Bewohner des Hauses aufgeschreckt, zurück in das Internat rennt. Doch am folgenden Tag entschließt er sich, die Uhr zurückzugeben. Dabei trifft er auf die Hauskatze der Villabewohner und er lernt Marina kennen, ein Mädchen in seinem Alter. Eine Unterhaltung entsteht und das Mädchen lädt Carlos zum Frühstück ein, bei dem er auch den Vater des Mädchens, German, kennenlernt. Er bemerkt, wie alt und verfallen das Haus ist. Es wird mit Kerzen beleuchtet, eine dieser ist auf ein altes Gemälde gerichtet, dessen Schönheit Carlos in seinen Bann zieht. Er möchte mehr darüber erfahren, doch Antworten erhält er nur ausweichend. Carlos und Marina freunden sich an und ziehen auf eigene Faust durch Barcelona. 
Auf einem ihrer Ausflüge gelangen sie auf einen Friedhof, auf dem eine Dame, ganz in schwarz gekleidet, vor einem Grab steht. Die beiden beobachten die Dame, welche einen geheimnisvollen Eindruck auf sie macht und verfolgen sie, als sie den Friedhof nach einiger Zeit wieder verlässt. Die Dame läuft zu einem Gewächshaus, geht durch eine kaum sichtbare Tür darin und verschwindet. Carlos und Marina wollen genauer wissen, was es mit dieser Dame auf sich hat. An dieser Stelle beginnt der Horror, denn in dem Gewächshaus werden sie von Wesen in menschenähnlicher Gestalt bedrängt, die plötzlich zum Leben erwachen und aus der Decke und den Wänden der Pflanzenzuchtstation treten. Sie sind Untote, beschrieben in den unblumigsten und grausigsten Worten, die ich seit Langem in einem Buch las. Sie treten plastisch vor die Augen des Lesers und lassen ihn erschrecken. 

Carlos und Marina flüchten, als sie sich aus den Fängen dieser schrecklichen Wesen befreien können, doch zuvor finden sie auf einem Tisch im Gewächshaus ein Fotoalbum mit einem alten Gruppenfoto. Die beiden machen sich im Folgenden daran, herauszufinden, welche Personen sich hinter den einzeln dort Fotografierten verbergen und stoßen dabei auf Ungereimtheiten und Unheimliches. 
Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser mehr über das Leben von Marina, ihren Vater German und auch über das oben kurz erwähnte Gemälde, das sich im Hause der Beiden befindet. Es ist eine sehr rührende Geschichte über Zusammenhalt und alte, nie verheilte seelische Wunden, die in einem Nebenstrang an den Leser herangetragen wird.
Auch die Dame in Schwarz taucht immer wieder auf und man erfährt, wer sie ist und was sie ausmacht.
Der Roman vermittelt eine unheimliche, geheimnisvolle, düstere und bedrückende Stimmung, die nur in wenigen Testpassagen unterbrochen wird, zum Beispiel wenn Carlos, Marina und Vater German einen Ausflug an die See machen und dort einige unbeschwerte Stunden zu dritt verbringen. Ansonsten habe ich mich befangen und teilweise auch ein bisschen in Panik versetzt gefühlt, was dazu führte, dass ich mich fragte, ob ich nachts Albträume bekommen werde, denn ich habe den Roman am Abend kurz vor dem Schlafengehen gelesen, was sich an manchen Abenden als semi-gute Idee herausstellte.
Aber he, das Buch war und ist spannend. Dies ist eines der Bücher, die es wert sind, ein zweites Mal gelesen zu werden. Ich empfehle das Buch sehr, auch, oder gerade weil es gruselig ist. ;) 

Und da der Beginn des Jahres nicht unheimlicher sein könnte, habe ich gleich noch einen Pechkeks geöffnet. Glückskeks kann schließlich jeder. Er ist schwarz verpackt und selbst das Gebäck wurde mit schwarzer Lebensmittelfarbe getränkt, sodass der Eindruck entsteht, man beißt in Asche, was in Bezug auf das Buch einen mehr als fragwürdigen Eindruck hinterlässt. Aber der Keks war nicht aschig, sondern wirklich lecker, süß, keksig, was mich ein wenig beruhigte.

"Wie siehst Du denn aus?" - hat erst einmal nicht so viel mit Pech zu tun, es sei denn man setzt diesen Spruch, ebenso wie den Keks, in Bezug zu dem Buch. Dann hat er eine ganz andere, tiefere Bedeutung, die sich im Nachhinein erschließen wird, wenn man das Buch gelesen hat. Denn erst dann entfaltet der Pechkeksspruch seine ganze Wirkung. ;)

Also, der aschige Pechkeks samt Füllung und das Buch "Marina" von Carlos Ruiz Zafón sollten unbedingt verschlungen werden. Dem, der es nachmacht, wünsche ich Viel Spaß dabei.